Wissenswertes : Wissenschaftliche Abhandlung zur APM II (1)

Differentialdiagnose und Therapie der akuten
Lumbago und Lumboischialgie aus der Sicht
der Akupunkt-Massage nach Penzel
von H.Chavanne

aus: "Acta medica empirica - Zeitschrift für die ärztliche Praxis"

Zusammenfassung

Lumbalgien und Lumboischialgien sprechen sehr gut auf die unblutige Behandlungsmethode der Akupunkt-Massage nach Penzel (APM) an. Grundvoraussetzung für diese Therapie ist einerseits die klinische Abklärung der gesamten Pathomorphologie der Lenden-Becken-HüftRegion, um die Frage zu klären, ob physikalische Therapie und damit auch Akupunkt-Massage nach Penzel indiziert ist. Um die richtige Behandlungsform zu wählen, ist von besonderer Bedeutung, zwischen "Bandscheibenischias" und den ischialgiformen Beschwerden bei lliosakralgelenkblockierung zu unterscheiden, da sich letztere besonders für die verschiedenen Massnahmen der APM n. Penzel eignen. Nach der klinischen Untersuchung ist andererseits die "energetische" Untersuchung erforderlich, um zu klären, welche Meridiane oder Meridiangruppen zum Untersuchungszeitpunkt zu wenig fliessende Steuerungsenergie "Chi" aufweisen. Nach dem Auffüllen der energieleer gefundenen Meridiane mit Hilfe des für die APM n. Penzel entwickelten Therapiestäbchens, das massageartig streichend mit sanftem Druck über diese Meridiane geführt wird, stellt sich im Körper das physiologische Fliessgleichgewicht des Chi und damit Schmerzfreiheit wieder ein. Erst jetzt ist die Grundlage für die eigentliche Behandlung des blokkierten fliosakralgelenks und der von ihm ausgelösten Sekundärblockierungen benachbarter Gelenke durch sanfte Rollschwingbewegungen gegeben. Um Rezidive der Blockierung zu vermeiden, wird nach der Gelenklösung die Frage einer eventuell vorhandenen anatomischen Beinlängendifferenz, die von der blokkierungsinduzierten funktionellen Beinlängendifferenz zu unterscheiden ist, geklärt und im positiven Fall orthopädisch ausgeglichen.

I.

Grundlagen und Methode der Akupunkt-Massage nach Penzel


Akupunkt-Massage nach Penzel ist eine Therapieform, die auf den Grundlagen und Regeln der Akupunktur, der Neuraltherapie nach Huneke und der Chirotherapie auf gebaut ist, und sie gehört durch die Art ihrer Ausführung in das Gebiet der Massagetechniken und somit auch der Physikalischen Medizin. Ihr Therapieziel ist die Wiederherstellung der ausgewogenen Verteilung und des ungehinderten Fliesseng der Steuerungsenergie "Chi" in den Meridianen, was als Voraussetzung für Wohlbefinden und normale Funktion des Organismus notwendig ist. Physische und psychische Befindensstörungen, Funktionsstörungen im Bereich des Bewegungsapparates und von Organen, Schmerz und schliesslich Krankheit beruhen auf einer Verteilungsstörung des in den Akupunkturmeridianen im 24h Rhythmus in den drei Regulationskreisen, den "3 Umläufen der Energie", zirkulierenden "Chi". Hierbei ist zu beachten, dass sowohl ein Mangel an Chi als auch ein Überschuss zur Funktionsstörung und evtl. zum Schmerz führt. Schmerzfreiheit und Wohlbefinden sind nur möglich, wenn das Chi in Bewegung ist, wenn es also in seiner physiologischen Fliessgeschwindigkeit die Meridiane durchfliesst. Jeweils 2 Stunden lang ist immer ein Meridian besonders gut mit Chi versorgt, und dieser "Chi-Gipfel" tritt anschliessend im nachfolgenden Meridian auf, so dass nacheinander alle 12 klassischen Meridianpaare des Körpers in gleichbleibender Reihenfolge durchflossen werden. Interessant ist auch die Beobachtung, dass dann der jeweilige Oppositionsmeridian, der topographisch am weitesten entfernt ist und in der "chinesischen Meridianuhr" (Abb. 1) auf der gegenüberliegenden Seite steht, gleichzeitig besonders energieleer gefunden wird. Dieses Phänomen zeigt sich sowohl beim physiologischen 24-Stundenrhythmus des Chiflusses als auch bei unphysiologischer, ungleichmässiger Verteilung des Chi. Von grundlegender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass die Organe und Körperareale von jenem Meridian energetisch versorgt und gesteuert werden, welcher über sie hinwegzieht, mit welchem sie also in topographischer Beziehung stehen. Ausserdem versorgt der Meridian auch noch jenes Organ, dessen Namen er trägt.

Diese in der traditionellen chinesischen Medizin bestehende Erkenntnis bewog W Penzel vor 30 Jahren eine auch für Europäer verständliche und praktisch anwendbare unblutige Regulationstherapie auf der Grundlage der chinesischen Akupunkturlehre zu entwickeln. Penzels besonderes Verdienst war es, erkannt zu haben, dass die massageartige, tonisierende Stimulation mit einem Metallstäbchen (Abb. 2) von ganzen Meridianen und grossflächigen Meridiangruppen am Beginn einer Behandlungsserie weit grössere Therapieerfolge erbrachte, als die Stimulation nur einzelner Akupunkturpunkte.

Durch den tonisierendstreichenden Massagereiz mit dem kugeligen Ende des Stäbchens entlang energieleerer Meridiane wird eine Verlagerung des in anderen Regionen stagnierenden Chi in den leeren Meridian erzwungen und so der leere Meridian aufgefüllt und das Fliessgleichgewicht des Chi im Meridiansystem wiederhergestellt. Dadurch werden die energetischen Eigenregulationsmechanismen des Organismus und seine Selbstheilungskräfte wieder in Gang gebracht. Um vor jeder Behandlung entscheiden zu können, welche Meridiane und Meridiangruppen energieleer sind, wurden verschiedene energetisch-diagnostische Untersuchungsmethoden entwickelt (siehe: "Akupunkt-Massage nach Penzel - prinzipielle diagnostische und therapeutische Aspekte einer modernen Behandlungsmethode auf klassischen Grundlagen"; Erfahrungsheilkunde, Band 45, Heft 1/1996).

Behandlungsabschnitte in der APM n. Penzel

Bei Erkrankungen finden wir im Prodromalstadium einen Leerezustand, im Akutstadium einen Füllezustand und schliesslich bei der Chronifizierung wieder einen Leerezustand der Meridiane im betroffenen Gebiet. Fülle und Leerezustände wechseln manchmal auch im Verlauf einer Behandlungsserie. Je nach energetischem Tagesbefund des Patienten erfolgt die gezielte Verlagerung der Energie "Chi" mit Hilfe des Stäbchenzuges z.B. vom energievollen Yang-Gebiet des Körpers in das energieleere Yin?Gebiet (Abb.3) durch eine "Spannungsausgleichmassage - ventral" (SAMV). Im umgekehrten Fall wird die Energie dementsprechend aus dem energievollen Yin-Gebiet in das energieleere Yang-Gebiet (Abb. 4) durch die "Spannungsausgleichmassage - dorsal (SAMD) verlagert. Entsprechend anderer Störungen des Energiefliessgleichgewichtes sind zeitweise auch Energieverlagerungen auf die rechte oder linke Körperseite oder auf die untere Körperhälfte erforderlich (SAM-rechts, SAM-links, SAM-unten).

Die hierbei zu beobachtenden Reaktionen, wie eintretende Beschwerdefreiheit, vermehrte Ausscheidung, erhöhte Körpertemperatur oder Kälteempfindung, aber auch kurzfristige Schmerzentwicklung oder -verstärkung, werden als Zeichen der Reaktionsfähigkeit bewertet. Diese Erstreaktionen verändern sich häufig im 2-Stundenrhythmus gemäss der chinesischen Organuhr und der physiologischen Chi-Verteilung im Organismus. In der APM sprechen wir vom sog. "Ebbe-Flut-Effekt".

Nach der Basisbehandlung, der sog. "2 Teilung", erfolgt entsprechend dem jeweiligen energetischen Tagesbefund eine zunehmend differenziertere Behandlung, bei der nur noch wenige oder einzelne "Umläufe" therapiert werden müssen = "3 Teilung". Ein Umlauf besteht aus 4 aufeinanderfolgenden Meridianen. Er beginnt immer an der Brust mit einem kurzen Yin-Meridian, der sein Chi an den folgenden kurzen Yang-Meridian weitergibt, darauf folgt ein langer Yang-Meridian und schliesslich ein langer Yin-Meridian, der sein Chi wieder an der Brust in den nächsten Umlauf weiterfliessen lässt. Die aufeinanderfolgenden 12 Meridiane und die 3 Umläufe stehen miteinander durch ebenfalls definierte Verbindungsstrecken, die sog. "Übergänge", in Verbindung.

In weiter fortgeschrittenen Therapiestadien verlangt dann häufig der energetische Befund nur noch die Stimulation einzelner Meridianpaare (6 Teilung) oder eines einzelnen Meridians (12 Teilung). Ab der Therapiephase der 3 Teilung werden zur Wirkungsverstärkung zusätzlich bestimmte Akupunkturpunkte gegeben. Da Störzonen im Sinne Hunekes, wie Narben, beherdete Zähne oder blockierte Gelenke, den gleichmässigen Energiefluss erheblich behindern können, müssen diese Hindernisse im Verlauf der Behandlung beseitigt werden. Hierfür sind in der APM n. P. eigene Behandlungsprinzipien entwickelt worden. Störfaktoren im Zahn-Kiefer-Bereich erfordern natürlich die gezielte Hilfe des Zahnarztes. Lumbalgien und die ihnen zugrundeliegenden Energieflussstörungen kommen gehäuft bei Frauen vor, die entsprechende Narben im Unterbauchbereich aufweisen. Die Pfannenstielnarbe, die mediane Laparatomienarbe im Bereich der Linea alba (also im Bereich des Konzeptionsgefässes, s. Abb. 8) und die Episiotomienarbe sind oft der Grund für eine Behinderung des Energieflusses und führen somit zum Stau. Auch sehr kleine Narben, wie sie nach Drains oder bei Sterilisationsoperationen z. B. im Nabelbereich entstehen, können eine Störfunktion ausüben.

Vorgangsweise bei Lumbago- oder Lumboischialgie

Am Beispiel einer akuten Lumbago möchte ich das erforderliche klinisch-diagnostische, energetisch-diagnostische und therapeutische Vorgehen erläutern. Eine sinnvolle und zielführende Behandlung erscheint aus der Sicht der AkupunktMassage nach Penzel nur in diesem Zusammenspiel möglich.

a) Klinisch-diagnostische Massnahmen

Nicht gerade selten kommt es vor, dass ein Patient um die 40 vor dem Untersucher steht und sich am Tisch mit einer Hand abstützen muss und mit der anderen seine Lendengegend hält. Blickdiagnose: Akute Lumbago. Der Patient berichtet bei der Anamnese:

- "Seit Jahren habe ich immer wieder Kreuzschmerzen, besonders morgens, wenn ich aus
dem Bett aufstehe.
- Im Badezimmer tut es dann noch ziemlich weh, aber nach dem Frühstück wird es besser.
- Vor 4 Tagen hob ich einen schweren Koffer und da hatte ich plötzlich diesen
heftigen "Hexenschuss" rechts im Kreuz.
- Seit gestern ist der Schmerz aber eher auf die linke Seite gewechselt,
- und hier vorne in der linken Leiste tut es seit heute auch weh."

Dies ist eine typische Schmerzanamnese bei Lumbago, und sie gibt einige Hinweise auf die Hintergründe dieser Schmerzattacke, nämlich auf:

- eine seit Jahren bestehende oder wiederkehrende Iliosakralgelenkblockierung
mit dem typischen, sich lösenden morgendlichen "Eingehschmerz", der sich relativ rasch
wieder bessert,
- die Aktualisierung und Verschlechterung durch plötzliche Überlastung,
- den Seitenwechsel der Beschwerden bei Erreichen einer neuen Statik auf die nicht blockierte, "hypermobile", überlastete ISGSeite
- mit ausstrahlenden Beschwerden in die Leiste und die Symphyse dieser Seite.

Es resultiert also bereits die Verdachtsdiagnose "Lumbalgie" aufgrund einer "Iliosakralgelenkblokkierung", die noch erhärtet werden muss. Bei der klinischen Untersuchung zeigen sich weitere Hinweise für die ISG-Blockierung; bei der Inspektion im Stehen beobachtet man eventuell

- Schiefhaltung des Kopfes,
- Schulterhochstand einer Seite,
- Abflachung eines Taillendreiecks,
- typisches Haltungsprovisorium mit Schiefhaltung der Lendenwirbelsäule nach einer Seite
und evtl. nach vorn, entsprechend unharmonische, eingeschränkte Seitneigung.
- Die Beckenkämme beider Seiten zeigen eine Höhendifferenz,
- die Verziehung der Michaelisschen Raute,
- die Rima ani und die Steissbeinspitze zeigen evtl. zur blockierten Seite.
- Unterschiedliche Höhe der Glutäalfalten,
- Aussenrotationsstellung eines Fusses.
- Er klagt nicht über Miktions oder Defäkationsbeschwerden.
- Es findet sich kein echter Lasegue, sondern ein Pseudo-Lasegue.
- Die Reflexe (PSR, ASR) sind normal auslösbar,
- keine motorischen oder sensorischen, segmentalen Ausfälle.
- Evtl. hyperalgetische Zonen am lateralen Oberschenkel und/oder im mittleren Drittel
des lateralen Unterschenkels.

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